§ ZUM GESETZ: Die neuen Regeln zur Rattenbekämpfung in Deutschland basieren auf der EU-Biozid-Verordnung (Nr. 528/2012), die den Schutz von Umwelt, Menschen und Wildtieren stärken sollen. Und zwar vor chemischen Bioziden wie Rattengiften, Desinfektions-, Insektenschutz- und Holzschutz-Mitteln sowie Algiziden, die das Wachstum von Algen hemmen oder diese abtöten. Der Verkauf von so genannten antikoagulativen Rattengiften an Privatpersonen endete daraufhin bereits am 26. April 2026. Aber es gab noch eine Frist zum Aufbrauchen alter Restbestände. Diese lief am 22. Oktober 2026 ab. Daher ist die Anwendung von Rattengift durch Privatleute seit 23. Oktober final verboten. Verstöße können mit Geldbußen bis zu 50 000 Euro geahndet werden.
_________________________
Herr Glashoff: Wie kann man einen Rattenbefall vor allem jetzt im Herbst verhindern?
Ratten sind am Wasser seit jeher ein Problem. Viele größere Betriebe arbeiten daher mit mir zusammen, und ich bestücke regelmäßig Rattenfallen, die ich kontrolliere. Auch Landwirte tun dies kontinuierlich. Und was Privathaushalte anging, gab es ja üblicherweise im Herbst, wenn die Felder abgeerntet, der Mais eingebracht und das Futterangebot für Ratten reduziert war, die so genannte Ratten-Bekämpfungs-Woche. Das heißt, die Gemeinden teilten mit, Rattengift auszulegen, um die Überzahl der Nager einzudämmen. Das war ein gesetzlicher Auftrag und, wie ich finde, auch ein sehr wichtiger. Denn Ratten können mit nur einem Wurf 8 bis 10 Jungtiere bekommen. Außerdem bringen die Weibchen 3 bis 7 Würfe pro Jahr zur Welt. Und wenn man bedenkt, dass ein Rattenstamm rund 10 bis 1000 Tiere pro etwa 3000 Quadratmeter hat, kann man sich vorstellen, dass die Population extrem groß werden kann, wenn man nichts gegen sie unternimmt.
Doch da nun per EU-Gesetz Privatpersonen verboten wurde, selbst Gift auszulegen, sollte man zumindest versuchen, Ratten nicht mit Essensresten auf dem Kompost und in überquellenden Mülltonnen anzulocken oder einen Blick darauf zu haben, wenn man Hühner, Pferde oder andere Nutztiere mit Getreide füttert.
Welche Maßnahmen dürfen Privatleute nun noch ergreifen, um die Nager loszuwerden?
Zunächst sollte man in der typischen schwarzen Rattenbox mit Futterködern herausfinden, ob es überhaupt einen Befall auf dem Grundstück gibt. Erlaubt sind noch die Lebend- und Klapp-Fallen. Wobei bei Letzteren klar sein sollte, dass sie nur einmal verwendet werden können, denn Raten kommunizieren und riechen, wenn dort bereits eine andere Ratte zu Tode gekommen ist, und werden die Falle dann nicht mehr anrühren. Sie sind einfach sehr intelligente und kommunikative Tiere.
Wann ist es angesagt, einen Schädlingsbekämpfer zu rufen?
Zunächst einmal sage ich immer, dass es jederzeit und überall Ratten gibt. Da müssen wir uns nichts vormachen. Sieht man allerdings diese an sich sehr vorsichtigen Tiere auf seinem Grundstück, ist der Befall bereits massiv und man sollte in jedem Fall einen Kammerjäger hinzuziehen. Dieser stellt dann eine oder mehrere Boxen mit Rattengift der sehr letalen Kategorie 1 auf (statt der früher handelsüblichen Gifte der Kategorie 2) und lässt diese 4 bis 6 Wochen lang stehen, wobei man wöchentlich kontrollieren sollte. Das rot gefärbte Blutgerinnungshemmer-Gel-Pad besteht aus Lockstoffen, Getreide, Farbstoffen und Bitterstoffen und wird in die Rattenbox gesteckt. Vorteil des Gel-Pads ist, dass es nicht zerbröseln kann. Wenn die Ratte das Gift aufnimmt, dauert es noch rund sieben bis zehn Tage, bis sie innerlich vertrocknet. Somit können die anderen Mitglieder des Stammes nicht nachvollziehen, dass diese Nahrungsquelle tödlich ist und im besten Fall nimmt der gesamte Rest der Familie das Gift auf und verendet. Nur als Zusatz-Info: Eine nagelneue Box müsste eigentlich erst einmal vier Wochen unberührt stehen bleiben, damit sie ihren Eigengeruch verliert. Deshalb werfen Sie auf keinen Fall alte Rattengift-Boxen weg. Denn diese werden am ehesten von den Ratten angenommen.
Wie schütze ich Katzen, Hunde, Igel, Eichhörnchen oder Kaninchen davor, nicht auch das Gift aufzunehmen und zu sterben?
All diese Tiere können nicht an das Gel-Pad in der Box gelangen. Und Vögel schrecken vor der unnatürlichen Farbe (meist knallrot oder blau) zurück. Ratten und Mäuse fressen überwiegend alles, um genug Energie für ihren Körperhaushalt aufzunehmen, und nicht, weil es ihnen gut schmeckt. Was ihnen nicht schadet, wird verzehrt.
Wie teuer ist Ihr Einsatz in etwa?
Mein Einsatz als Schädlingsbekämpfer mit einer dreijährigen Ausbildung kostet etwa 100 bis 200 Euro netto, wobei die Falle mit 14,50 Euro zu Buche schlägt, das Gift-Pad mit 3,50 Euro und mein Stundenlohn mit 85 Euro. Achtung ist aber mittlerweile vor vielen unseriösen Firmen geboten, die falsche Rufnummern verwenden, sich als Kammerjäger ausgeben und oft komplett überteuerte Preise von bis zu 500 bis 600 Euro in bar aufrufen. Bitte vorher unbedingt ein Angebot einholen und auf diese Weise böse Überraschungen vermeiden!
Wie ist Ihr Fazit als Schädlingsbekämpfer, was das neue EU-Recht angeht?
Ich habe die Befürchtung, dass wir eine Rattenplage, wie wir sie hier im Moment erleben, kaum in den Griff bekommen werden, wenn nur wir Schädlingsbekämpfer dagegen vorgehen. Denn wir alleine können die Ratten nicht kontinuierlich bekämpfen. Ich bedauere außerdem, dass es nicht mehr die Rattenbekämpfungs-Woche von früher gibt, die wirklich sinnvoll war und bei der jeder Bürger beteiligt wurde, sein Grundstück aktiv rattenfrei zu halten.
Heute gibt es im Landkreis Steinburg gerade einmal vier oder fünf Schädlingsbekämpfer und diese können die künftigen Anfragen kaum abarbeiten. Und das, obwohl Ratten auch die Gefahr bergen, Krankheiten wie das Hanta-Virus zu übertragen. Die Ansteckung erfolgt über das Einatmen von Staub, der mit Urin, Kot oder Speichel infizierter Nager belastet ist zum Beispiel bei Aufräumarbeiten in Schuppen, Kellern oder auf Dachböden. Meine Hoffnung ist, dass bald mehr Leute die Ausbildung zum Schädlingsbekämpfer machen.
____________________________________
Info für alle, die den Sachkunde-Nachweis zur Nagetierbekämpfung erlangen wollen, der berechtigt, Rattengift zu kaufen:
Der 3-Tages-Kurs kostet z.B. bei TÜV-Akademien, bei DEULA in Rendsburg oder beim Schulungsanbieter hentschke + sawatzki in Neumünster rund 600 bis 900 Euro. Voraussetzungen: Mindestalter von 18 Jahren und eine mehrmonatige, praktische Vor-Erfahrung in der Nagetier-Bekämpfung. Ein Muss ist zudem die schriftliche Prüfung am Ende des Kurses mit 30 Unterrichtseinheiten. Nach erfolgreichem Bestehen erhält man ein offizielles, behördlich anerkanntes Zertifikat. Allerdings ist der Sachkundenachweis nur 6 Jahre gültig und muss, damit er wiederum um 6 weitere Jahre verlängert wird, mit einer eintägigen Fortbildung aufgefrischt werden.