Was macht eigentlich ... eine Schulleiterin? | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Vor einem Jahr löste Christine Mietzner die scheidende Carola Frank-Heyse als Leiterin der Schule am Deich in Herzhorn ab. Seither hat sich für sie viel verändert. Aber was genau und wie der Alltag und der prallvolle Stundenplan einer Grundschul-Rektorin eigentlich aussieht, verriet die 50-jährige Glückstädterin im Gespräch mit Gitta Schröder von der Dorfapp.

Was macht eigentlich ... eine Schulleiterin?

Wie lange waren Sie bereits vorher Lehrerin an der Schule, welches sind Ihre (Lieblings-)Fächer?

Hier an der Schule bin ich 2011 eingestiegen. Ich bin jetzt also schon 14 Jahre dabei. Und weil ich Musik studiert habe, unterrichtete ich zunächst Musik und Sachunterricht, aber auch Deutsch. Seit einigen Jahren unterrichte ich auch Mathe. Hier habe ich auch eine einjährige Zusatzausbildung (ähnlich wie ein Mini-Referendariat) absolviert. Und obwohl Musik mein Lieblingsfach ist, finde ich Mathematik jetzt auch sehr spannend.

Wie viele Stunden pro Woche unterrichten Sie noch?

Als Lehrerin werden die Stunden als zu unterrichtenden Wochenstunden gerechnet. Einberechnet werden hier immer auch die Vor- und die Nachbereitung, Elternarbeit und die Gestaltung des Schullebens. Ich arbeite 28 Stunden die Woche, was einer vollen Stelle entspricht. Die Hälfte der Zeit – also 14 Stunden – sind für meine Schulleitungs-Aufgaben verbucht. Insofern ist Schulleitung ein Halbtagsjob. (lacht)

Braucht man eine Fortbildung, bevor man die Stelle als Direktorin antritt?

Ja – der Beginn meiner Aufgaben als Rektorin wurde begleitet von Fortbildungen - über 50 Ausbildungsstunden. Zum Beispiel Seminare in Kommunikationstraining und zum Aufbau eines Teams. Auch Fortbildungen zum Führen von Personalgesprächen waren dabei oder welche, die mir Infos über die Prüfungen oder Unterrichts-Bewertungen von Lehramts-Anwärterinnen gaben. Diese Fortbildungen werden auch in meinem zweiten Amtsjahr durch etwa 40 weitere Ausbildungsstunden ergänzt.

Welche Tätigkeiten liegen Ihnen am meisten am Herzen? Die Arbeit mit den Kindern? Die Personal-Verantwortung? Das Ausarbeiten neuer Konzepte und Ideen oder was noch?

Oh – das ist jetzt schwierig zu beantworten. Denn natürlich bin ich Lehrerin geworden, weil ich Spaß und Neugierde am Menschen habe. Aber im Laufe meiner Berufsjahre habe ich auch gesehen, wo es manchmal noch hakt oder in der Schule besser laufen könnte. Da habe ich dann angefangen, beispielsweise über Möglichkeiten nachzudenken, um das Dreiergespann aus Eltern, Kindern und Lehrern in einen besseren Austausch zu bringen – oder auch das Konzept des Offenen Ganztags mit zu entwickeln.

Insgesamt war und ist es mir auch immer ein Anliegen, den engen Pulli, den man durch das System aufgestülpt bekommt, ein bisschen zu weiten, um für alle Menschen, die sich in der Schule treffen, ein möglichst tolles Umfeld zu bieten.

Die Schule am Deich hat einen musikalischen Schwerpunkt. Was ist darunter zu verstehen?

Der Kern deiner musikalischen Grundschule besteht darin, Musik in allen Fächern und in den Alltag der Kinder zu integrieren. Wobei unter Musik nicht nur Singen oder Musik-Hören zu verstehen ist, sondern manchmal auch Rhythmen und Lieder dazu genutzt werden, um den Tag zu strukturieren oder um besser lernen zu können. Es gibt zum Beispiel Studien dazu, dass regelmäßiges Musikmachen Legasthenie – also Rechenschwäche – vorbeugt.
Aber natürlich soll so etwas wie unsere so genannte „Musikpause“ am Freitag auch zur Auflockerung und zum Spaßhaben beitragen. Dann drehen wir die Musik auf dem Schulhof richtig auf und die Kinder können tanzen und die Songs mitsingen. Hintergrund ist, dass die gemeinsame Beschäftigung mit Musik den Gruppenzusammenhalt stärkt. Das merkt man auch, wenn die Kinder gemeinsam unseren Schulsong schmettern. (https://unser-schulsong.de/deich/)
Oder als die Klassen 2-4 gemeinsam in der vergangenen Woche, am 1. Juli, zum „6 K United“-Konzert in die Barclays Arena nach Hamburg gefahren sind, wofür sie diverse Songs und Choreographien einstudiert haben und selbst die Jungen begeistert mittanzten. Bei diesem Event trafen sich zig Schulen in Hamburg. Dank der Sparkassen-Stiftung, die uns unter anderem drei Busse gesponsort hat, konnten die Kinder zu diesem unglaublichen Konzert-Erlebnis fahren und gemeinsam mit Tausenden von anderen Schülern singen. Und der Sparkassen-Stiftung hatten wir es auch zu verdanken, dass unser Schulsong so professionell eingespielt wurde. Darum hat sich Frau Steinweller aus Kollmar gekümmert.

Was macht Ihre Grundschule aus Ihrer Sicht noch besonders? Stichwort: Lesekompetenz.

Wir fördern hier auch sehr intensiv die Lesekompetenz. Und zwar mit dem sogenannten „Leseband“. Das heißt, jeden Tag wird in jeder Klasse 20 Minuten am Stück gelesen. In Klasse 1 beginnt das mit lautem Vorlesen, während man in der 2. Klasse in gemeinsames, so genanntes chorisches Lesen übergeht. Ab Klasse 3 arbeiten die Schülergruppen dann oft mit einem Würfel, auf dessen Seiten „Ich“, „Du“ oder „Wir“ stehen und dementsprechend alleine oder gemeinsam gelesen wird. Oder es gibt das so genannte Tandem-Lesen, bei dem Zweier-Gruppen einander vorlesen. Zudem hat unsere Schulsekretärin Julia Lundström eine kleine Bücherei eingerichtet, in der sich die Kinder zweimal in der Woche Bücher ausleihen können, oder in den Pausen einfach dort stöbern können und auch dadurch das Interesse an Büchern und am Lesen gewinnen.

Zu den Klassen kommt ab und zu sogar ein „Vorlese-Hund“…

Ja. Kindern, die große Konzentrations-Schwierigkeiten haben, hilft der „Vorlese-Hund“, der etwa einmal die Woche in unsere Schule kommt. Wenn sich der Labrador Sam ruhig neben das Kind legt, entspannt sich auch der Schüler und liest dem Tier vor. Danke hier an Klaus Hacker, der uns mit seinem Hund besucht.
Übrigens haben wir auch ehrenamtliche Lesepaten, die mit den Kindern das Lesen üben. Falls jemand ebenfalls Lust dazu hat – gerne bei uns melden.
Alle zwei Jahre nehmen wir auch an dem Plattdeutschen Lesewettbewerb teil. In diesem Jahr durfte die Drittklässlerin Tilda sogar eine Runde weiter und unsere Schule und den Kreis Steinburg in Mölln vertreten, wo sie den 2. Platz belegt hat.

Könnten Sie außerdem das Konzept zum Fördern und Fordern erklären?

Zweimal in der Woche ist eine Kollegin vom Förderzentrum in unserer Schule, die einen Blick auf die Kinder hat und sich dann mit den Kollegen abspricht, ob beispielsweise Probleme mit der Zahlenerfassung vorliegen, motorische Schwierigkeiten, wenn ein Kind beispielsweise einen Bleistift nicht richtig halten kann oder ob so genannte Neurodivergenzen vorlegen. Damit sind Hochsensibilität, ADHS und Menschen aus dem Autismus-Spektrum gemeint.
Außerdem achten wir darauf, ob die Kinder auch richtig hören und sehen können. Wobei es bei 28 Kindern pro Klasse gar nicht so einfach ist, das alles zu erfassen. Deshalb machen auch alle Fachlehrer und Klassenlehrer Fortbildungen zu diesen Themen, was ihnen hilft, den Blick darauf zu schärfen.
Liegen bestimmte Schwierigkeiten bei einzelnen Schülern vor, versuchen wir, sie im Unterricht zu fördern, holen aber auf alle Fälle auch die Eltern mit ins Boot und laden auch die entsprechenden Fachleute vom Landesförderzentrum ein.

Zum Glück haben wir einige Menschen, die insbesondere Kinder mit kleinen und größeren Schwierigkeiten dabei unterstützen, gut im Schulalltag klarzukommen. Das sind zum Beispiel unsere Bundesfreiwilligen-Dienstlerin, die wir im vergangenen Jahr hatten, aber immer wieder auch Praktikantinnen. Eine ganz besonders große Stütze ist immer wieder unsere Schulassistentin Sarah. Zudem haben einige Kinder auch Schulbegleiterinnen, die sich nur um ihre eigenen Schützlinge kümmern.

Um die starken Kinder weiter zu fordern, bieten wir ihnen immer wieder die Möglichkeit, an Wettbewerben teilzunehmen. So, wie eben beim Plattdeutschen Lesewettbewerb, oder bei der Mathe-Olympiade.

Wie schaffen Sie und Ihr Kollegium es, die Schülerinnen und Schüler ohne Deutsch-Kenntnisse zu fördern und Schritt für Schritt zu integrieren?

Es ist schön, dass wir in Herzhorn eine so kleine Grundschule haben, in der es schnell gelingt, diese Kinder in die Klassen zu integrieren. Zudem werden sie sehr gut von Ehrenamtlichen begleitet. Es ist toll, dass es Anne und Ingeborg gibt, die sich so viel Zeit dafür nehmen, die Kinder zu unterstützen.

In der Grundschule Herzhorn gibt es auch sogenannte, ausgebildete Konflikt-Moderatoren in Klasse 3. Was ist darunter zu verstehen?

Das stimmt. Die Drittklässler werden ein halbes Jahr lang als Konflikt-Moderatoren ausgebildet, so dass jeweils zwei Schüler in der 4. Klasse dann als Konflikt-Lotsen (erkennbar an einer leuchtenden Weste mit Aufschrift) während der Schulpausen unterwegs sind und Streitigkeiten klären sollen. Hintergrund ist natürlich, dass sich diese Kinder auch mit den eigenen Konflikt-Mechanismen auseinandersetzten und gelassener mit eben solchen Situationen umgehen.

Welches sind weitere Projekte oder Pläne, die Sie in Herzhorn gerne noch verwirklichen möchten?

Wir haben bereits einiges angestoßen. Aber ich möchte meinen Blick künftig noch auf weitere musikalische Projekte lenken. Zudem möchten wir im nächsten Jahr unsere Feedback-Kultur ausbauen. Dazu werden die Schülerinnen und Schüler teilweise digital, die kleinen Klassen aber auch analog, verstärkt darum gebeten, Rückmeldungen über den Unterricht zu geben. Also in puncto: Was hilft mir beim Lernen? Wo würde ich mir noch mehr Unterstützungen erhoffen?

Welche Aufgaben in der Woche gefallen Ihnen nicht sonderlich, müssen aber natürlich auch erledigt werden?

Die gesamte Beurteilung und Notengebung gefallen mir nicht besonders, weil sie der pädagogischen Arbeit so konträr entgegenstehen. Alle Kinder in ein Zensur-Schema zu pressen – das ist wirklich das Blödeste am Lehrerberuf, hat aber natürlich seine Berechtigung in der schulischen Laufbahn eines Kindes

Jetzt haben Sie mir schon viele Projekte geschildert, die Sie begleiten, konferieren und zu bewachen haben, damit die Dinge weiterlaufen. Was macht Ihre Arbeit als Schulleiterin sonst noch aus?

Wir haben ein komplexes Personal-Konstrukt mit 13 Lehrerinnen, einer Lehrerin in Ausbildung (früher: Referendarin), einer Schulsekretärin, einer Schulsozialarbeiterin, einer Schulassistentin, 7 Schulbegleiterinnen, unserem Hausmeister und unserer Reinigungskraft. Zudem kommen noch alle Mitarbeiterinnen des Offenen Ganztags. Die Finanzierung läuft über drei verschiedene Arbeitgeber – nämlich den Schulverband, das Schulministerium und für die Schulbegleiter die Lebenshilfe. Plus die Ganztagsbetreuung von 7 bis 16 Uhr, die wiederum über die VHS-Dithmarschen läuft.
Zudem gibt es beim Personal Überschneidungen. Beispielsweise arbeitet unsere Sekretärin und eine unserer Schulbegleiterinnen auch in der Ganztagsbetreuung. Und: Unsere Schule besteht aus den zwei Standorten Herzhorn und Kollmar.
Da ahnt man schon, dass viele Gespräche und Abstimmungen nötig sind, aber auch jongliert werden muss, um das Ganze zusammenzuführen.

Was hat Sie dazu bewogen, den Leitungsposten in Herzhorn anzunehmen?

Auch, wenn man es mir vielleicht nicht ansieht. Aber ich bin eine kleine Rebellin. Und „Das ist halt so“ zu sagen, fällt mir schwer. Wenn ich also sehe, man kann etwas zum Wohle der Schüler ändern und verbessern, dann versuche ich dies. Und wenn ich die Möglichkeit habe, das enge Korsett des Schulentwicklungsplans etwas zu dehnen, dann mache ich das. Das Ganze lässt sich natürlich nur mit einem guten Team im Rücken meistern. Das Feedback, die Ideen und der Austausch mit Eltern und vor allen mit meinen Kolleginnen ist mir deshalb sehr, sehr wichtig – denn Schule besteht aus Eltern, Schülern und allen dort tätigen Menschen. Ich habe das Glück, jeden Tag mit diesen tollen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen. Das erfüllt mich mit Stolz und Demut und zeigt mir trotz der ganzen Arbeit, dass ich den richtigen Weg gewählt habe.

Am Ende der letzten Woche ist das Schuljahr zu Ende gegangen und die Schulferien haben begonnen. Heißt das nun auch für Sie 6 Wochen Ferien?

Nein. Ähnlich wie man in der Uni von vorlesungsfreier Zeit spricht, ist es für uns die unterrichtsfreie Zeit. Als Lehrer nutzt man die Zeit, um zu sortieren, die Klasse aufzuräumen und für das nächste Schuljahr vorzubereiten. Aber auch, um den Unterricht für das nächste Schuljahr zu strukturieren und zu planen. Als Schulleitung muss ich noch einige Verwaltungsangelegenheiten aufarbeiten, die aufgrund des prall gefüllten Schullebens des Schuljahresabschlusses liegen geblieben sind. Zudem trage ich dafür Sorge, dass alle Lehrerstunden besetzt sind und teile den Lehrerinnen ihre Stunden und Fächer zu. Schließlich schreibe ich – mit digitaler Hilfe – den Stundenplan. Das mache ich in enger Absprache mit Frau Albers als Vertreterin des Kollmaraner Standorts. Bevor es dann im neuen Schuljahr wieder losgeht, plane ich das Schuljahr auch aus organisatorischer Sicht. Welche Ausflüge, Fortbildungen und Termine sind schon bekannt, was sollen unsere Schwerpunkte sein, und so weiter. Dann kürzen sich die 6 Wochen doch ziemlich zusammen. Aber ich werde auch meine Mutter besuchen und für zwei Wochen mit meiner Familie nach Frankreich fahren. Darauf freue ich mich schon sehr.